

Altlasten und Bodenschutz: Übersicht
Erfassung / Datenerhebung
Die Altlastenproblematik spielt in Gelsenkirchen aufgrund der langen Industriegeschichte eine zentrale Rolle im Bereich Umweltschutz. Ausgelöst durch einige spektakuläre Altlastenfälle wie Dortmund-Dorstfeld und Bielefeld-Brake in den frühen 80er Jahren, wurde in Gelsenkirchen von 1983 bis 1987 ein erster Erfassungsschritt durchgeführt, der insbesondere die Hinterlassenschaften des Bergbaus, die ehemaligen Kokereien und Gaswerke und die Deponien umfasste.
Im ersten "Altlasten-Kataster" der Stadt Gelsenkirchen aus dem Jahre 1987 waren nur ca. 50 Flächen enthalten. Diese Zahl stieg in den Folgejahren durch Auswertung alter Karten und Luftbilder auf ca. 300 Flächen 1994 an. In diesem Jahr wurde auch erstmalig eine Altlast-Verdachtsflächenkarte mit einer flächenhaften Darstellung erstellt und der Öffentlichkeit präsentiert. Derzeit sind 495 Altlast-Verdachtsflächen erfasst, die sich wie nachfolgend dargestellt zusammensetzen.
Zu diesen Flächen (Altablagerungen, Altstandorte und Anschüttungen) liegen meist umfassende Erkenntnisse zur Nutzungsgeschichte, zum Bodenaufbau und in vielen Fällen auch zur Boden- und Grundwasserqualität vor. Diese Informationen bilden zusammen mit den Flächendaten das Altlast-Verdachtsflächenkataster.
Kleingewerbe-Kataster
Neben dem Altlast-Verdachtsflächenkataster wurde von 1997 bis 2000 im Auftrag der Stadt Gelsenkirchen eine ergänzende Kleingewerbeerfassung durchgeführt. Grundlage der Kleingewerbeerfassung war die Auswertung der ab 1888 vorhandenen Adressbücher. Nur über diese Quelle konnten auch die kleineren Gewerbestandorte wie chemische Reinigungen, Schlossereien, Tankstellen ermittelt werden. Als Ergebnis wurden ca. 6000 Hinweisflächen lokalisiert. Dazu war es zunächst notwendig, alte Straßennamen mit den heutigen Straßennamen abzugleichen, da nahezu 50 % aller Hinweisflächen aufgrund von Eingemeindungen o.a. von Straßenumbenennungen, Teileinzügen bzw. Hausnummern-Veränderungen nicht eindeutig identifiziert werden konnten.
Die große Zahl der erfassten Hinweisflächen erklärt sich aus dem breiten Erfassungsansatz. Neben Industrie- und Gewerbebetrieben mit eindeutigem Belastungspotential (z. B. Tankstellen) wurden auch Risikobranchen wie Speditionen, Schreinereien, Autohandel u.v.a. berücksichtigt, bei denen im Einzelfall Eigenverbrauchstankanlagen, Wartungs- und Abschmiergruben, Holzimprägnierung u.a. Einrichtungen vorhanden waren und die dadurch ein erhöhtes Risiko für Boden- und Grundwasserbelastungen aufweisen. Im Rahmen von Bauleitplan- und Baugenehmigungsverfahren, beim Grundstücksverkehr und bei Bürgeranfragen werden diese Hinweisflächen vom Referat Umwelt seit Jahren mit berücksichtigt.
Im Jahr 2002 wurde insbesondere die Gruppe der ehemaligen Tankstellenflächen einer beprobungslosen Erstbewertung unterzogen. Über Kriterien wie "Betriebszeit" und "Größe" wurde die Altlastenrelevanz eingeschätzt. Als Folge dieser Überprüfung konnten 156 ehemalige Tankstellenflächen aus dem Kleingewerbekataster in das Verdachtsflächenkataster übernommen werden. Sie bilden zahlenmäßig nun die größte Gruppe innerhalb der Altstandorte.
Weitere Übernahmen relevanter Branchen nach einer solchen Plausibilitätskontrolle der Einzelstandorte und unter Berücksichtigung der Vorgaben des Ministeriums für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz NRW (2001) sind in Vorbereitung.
Kataster der Anschüttungs- und Verfüllungsflächen
Seit Mai 2003 stehen weitere umfangreiche Datenbestände zur Verfügung, die Hinweise zu Verfüllungs- und Anschüttungsflächen im Stadtgebiet von Gelsenkirchen liefern. Erstmalig liegen damit genaue Angaben zu Ablagerungszeiträumen und -Mächtigkeiten vor. Diese Daten wurden im Rahmen einer systematischen flächendeckenden Karten- und Luftbildauswertung gewonnen und waren insbesondere für die Erstellung der digitalen Bodenbelastungskarte von Bedeutung.
Die Informationsverdichtung während der letzten 15 Jahre lässt sich am Beispiel der beiden folgenden Kartenausschnitte deutlich erkennen.
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Erfassungsstand 1994 |
Erfassungsstand heute |
Die genannten drei Kataster bilden zusammen die Basis des Boden- und Altlasten- Informationssystems. Ergänzt wird dieses System noch durch umfangreiche Informationen zur Grundwassersituation in Gelsenkirchen, die im so genannten Grundwasserkataster enthalten sind und durch Daten der digitalen Bodenbelastungskarte ergänzt werden.
Altlasten und Bodenschutz: Übersicht
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